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Sprachsoziologische Untersuchungen zum Niederdeutschen in Sachsen-Anhalt
Insbesondere die folgenden Komplexe stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen:
1) Präzise Informationen über den aktuellen Status des Niederdeutschen in Sachsen-Anhalt
Diese Informationen bilden den Schwerpunkt der Erhebung und betreffen einerseits Fragen der Verbreitung von aktiver und passiver Sprachkompetenz in Korrelation mit sozialen und regionalen Faktoren, andererseits werden diese aber zudem ergänzt durch vielfältige, die realen Kommunikationsverhältnisse widerspiegelnde Daten (bzw. Datensätze). Daher ist die vorliegende Untersuchung lediglich mit der sog. GETAS-Umfrage in den 80er Jahren des 20. Jhs. in Niedersachsen vergleichbar, aktuelle Analysen zum Niederdeutschen mit einer ähnlich breiten und dabei präzisen Basis anderer Forschungsprojekte sind uns zur Zeit nicht bekannt. Die bisher durch das Forschungsprojekt geschaffene Datei enthält ca. 30 Ortserhebungen, die aus Einzeldaten für mehr als 5.000 dort ansässige erwachsene Personen bestehen. Pro Person wurden nochmals über 60 Dateneinheiten erfaßt.
2) Überprüfung und teilweise Revidierung von Hypothesen über den Wandel von Sprache und deren Gebrauch am Beispiel des Niederdeutschen
Hierher gehören vor allem Informationen, die über Ursachen und Bedingungen der Verdrängung des Niederdeutschen durch andere Sprachvarietäten gewonnen werden können und die insbesondere den Einfluß der Migration und sonstiger sozialer Wandlungen während und im Gefolge des Zweiten Weltkrieges relativieren bzw. präzisieren und ergänzen, die aber auch bis in den Zeitraum des 19. Jh.s (und darüber hinaus) zurückreichen.
Die Erhebungsergebnisse sind für weitere Analysen wertvoll, die sich auf solche Aspekte wie - Entwicklungstendenzen in Kompetenz und Verwendung des Niederdeutschen, - Verflechtungen von niederdeutscher Regionalsprache und Umgangssprache - Entwicklung von „passgerechten“, spezifischen Förderinstrumentarien, - Ableitung von weiteren Forschungsschwerpunkten
Diese Forschungsaufgaben werden zur Zeit u. a. durch Magister- und Staatsexamensarbeiten realisiert. Generell ist festzustellen, daß die Regionalsprache Niederdeutsch eine wesentliche Rolle im Rahmen des Varietätenspektrums der in Sachsen-Anhalt gesprochenen Sprachen bildet und deshalb auch weiterhin (vgl. Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates) der Aufmerksamkeit wissenschaftlicher Betrachtung bedarf.
Magdeburger Wörterbuch Die Sprache der MagdeburgerInnen wird als „primitiv“ und „ungebildet“, doch gleichermaßen als „heimatlich“ und „wohlklingend“ bezeichnet. Tatsache ist es, dass das Magdeburgische schon längst keine „unangenehme Nebensächlichkeit“ mehr ist, die es zu vermeiden gilt, sondern zunehmend im Mittelpunkt zahlreicher Betrachtungen steht. In Vorträgen, Untersuchungen und literarischen Veröffentlichungen beschäftigen sich interessierte MagdeburgerInnen, SprachwissenschaftlerInnen und SchriftstellerInnen mit den sprachlichen Besonderheiten Magdeburgs. Viele MagdeburgerInnen wissen genau, wie es um ihr „kloares oa“ steht, warum es „Vorreljesank“ und dass die „Worscht ihle janz dolle jut“ schmeckt. Innerhalb dieses Projektes werden Fragen der Herausbildung des Magdeburgischen bzw. besonderer sprachlicher Erscheinungen untersucht. Zum Stadtjubiläum im Jahre 2005 soll ein kleines (populärwissenschaftliches) „Magdeburger Wörterbuch“ erstellt werden. Begriffe oder Redewendungen werden zusammengetragen und betrachtet.
Untersuchungen zur Namenlandschaft Sachsen-Anhalts Ebenso wie über Jahrzehnte hinweg die Erforschung und die Bewahrung der niederdeutschen Sprache und Literatur im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt vernachlässigt worden waren, entstand in diesem Zeitraum auch hinsichtlich der namenkundlichen Forschungen im Vergleich zu allen Nachbarländern ein erhebliches Defizit. - Die Namen der Region (Personen-, Orts-, Straßen- und Flurnamen) sollen aufgearbeitet und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (Entsprechende Magister- und Staatsexamensarbeiten liegen bereits vor.) - Für die schulische Vermittlung (z. B. Deutsch-, Geschichts- und Sachunterricht) werden die erforderlichen fachlichen Grundlagen zur Verfügung gestellt und Lehrmaterialien entwickelt. - Dem außerordentlichen Interesse von sprachwissenschaftlichen Laien (Ortschronisten, Archivare, Journalisten etc.) an der Erklärung von Orts- und Personennamen kann somit entsprochen werden. So werden seit dem 13. September 2003 wöchentlich in der regionalen Tageszeitung „Volksstimme“ Familiennamen von LeserInnen erklärt. - Durch die Kooperation des Instituts für Germanistik in Magdeburg mit dem Leipziger Lehrstuhl für Namenkunde und insbesondere durch die Qualifizierung von Nachwuchswissenschaftlern soll erreicht werden, daß die erforderliche regionalspezifische Fachkompetenz zukünftig gesichert bleibt.
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